Nachklang zum 70. „Geburtstag" der Kapelle Zug
Aus den Grußworten, die am 15.7. beim Gemeindefest gesprochen
wurden:
Dr. Dombrowe, Ortschaftsrat Zug:
Zug, eine vom Bergbau geprägte Ansiedlung wurde erst spät eine
Gemeinde; erst 1937 entstand eine Kirche, eben diese Kapelle. 70
Jahre sind für eine Kirche eine kurze Zeit; es ist also noch eine
junge Kirche. Erfreulich ist, dass noch einige Zuger Bürger dieses
Fest mit uns feiern können, die damals junge Mitglieder des
Posaunen-Chores unter der Leitung ihres Pfarrvikars waren. Für den
Bau der Kirche haben sie in ganz Sachsen Geld eingespielt, und so
die Grundlage für den Bau dieser Kirche gelegt. Wir bedanken uns bei
diesen Gemeindegliedern ganz besonders für ihre damalige Leistung.
Das gibt es, glaube ich, nicht so schnell wieder. Die Gemeinde Zug
ist stolz auf ihre Kapelle, sie ist ein Kleinod für Zug, besonders
das Läuten ist anheimelnd und schön. In der heutigen Zeit, in der
überall territoriale Strukturen geändert werden, hört man immer
wieder ermahnend, dass Schule und Kirche ins Dorf gehören. Schließt
man sie, wird das Zusammenleben im Dorf gestört. Wir sehen aber,
dass sehr viel Kinder und Jugendliche in die Kirche gehen und das
macht uns Mut für die Zukunft. Deshalb wünschen und hoffen wir, dass
die Zuger Kirche uns weiterhin ein so reichhaltiges Leben bringt und
allen Besuchern wünschen wir Gottes Segen. Der Ortschaftsrat
verbindet seine Wünsche für das Fortbestehen einer lebendigen
Gemeinde in unserer Kapelle in Zug mit einer kleinen finanziellen
Zuwendung, die ich der Frau Pfarrer übergebe.
Gottfried Hans, Pfr, i. R. und Neffe Gottfried Kienners:
Ich freue mich, dass ich als Nachkomme von zwei Menschen, die damals
Zuger Gemeindeglieder waren, hier sein darf. Menschen, die sich mit
viel Liebe, Eifer und Glaubenstreue hier eingesetzt haben: Meine
Mutter - damals als Elisabeth Kienner (geb. 20.2.1908), hier in Zug
Volksschullehrerin - und mein Onkel Gottfried Kienner (geb,
14.4.1910), Lehrvikar. Der für ihn zuständige Orts- und Lehrpfarrer
Schwen erläuterte ausführlich gegenüber dem Landeskirchenamt seine
Bedenken wegen der kirchgemeindlichen Lage vor Ort. Er hielt sie als
eine Lehrpfarrstelle für völlig ungeeignet. Aber der zuständige
Oberlandeskirchenrat und Dezernent blieb bei seiner Verfügung. Und
so kam der Kandidat Kienner doch noch nach Zug, wo er regelmäßig
Choräle mit dem Flügelhorn aus dem Fenster seines Zimmers erschallen
ließ. Schulkinder fragten die Lehrerin nach dem neuen „Pfarrer". Am
17.9.1934 fand mit 27 „munteren Jungen" - wie ein Zeitungsartikel
feststellte - die erste Posaunenübungsstunde statt. Schon bald
erklangen aus den verschiedensten Ortsteilen Zugs fromme Töne der
Übenden, die zunächst nur jeweils ein Instrument für drei Jungen
nutzen konnten. Die gemeinsamen Übungsstunden fanden in einem
Bauerngehöft statt. Viele Menschen wurden in Bewegung gesetzt, damit
es dann zum Bau dieses schönen Gotteshauses kam. Manche hatten
zunächst Zweifel. So auch soll der damalige Bürgermeister zu meinem
Onkel etwa gesagt haben: „Kienner, Sie sind ein Träumer! Mit Gebet
kann man vielleicht ein paar alte Frauen trösten, aber damit
bekommen Sie keinen einzigen Stein auf den anderen." Vor 70 Jahren
zog dann der Bürgermeister mit an der Spitze bei der Einweihung ins
Gotteshaus ein. Vor 40 Jahren, 1967, war hier auch eine
Jubiläumsfeier. Dabei schilderte der damalige Superintendent Dr.
Wendelin, wie er einen Fabrikanten dazu brachte, dass auch ein
Türmchen aufs Dach gekommen ist. „Damit das Gotteshaus nicht wie
eine Scheune aussieht." Schmerzlich wurde auch daran erinnert, dass
mein Onkel, wie so viele, nicht aus dem Krieg zurückgekehrt ist.
Genau 4 Jahre vor meiner Geburt kam die Vermissterklärung aus
Stalingrad..... Eine jede Zeit braucht Menschen, die Gott mehr
vertrauen als der allgemeinen Meinungsumfrage, Menschen, die im Auf
und Ab der Geschichte sich treu an Jesus Christus halten und sich
Schritt für Schritt von ihm rufen lassen. Der Liedvers von Helder
Camara in der heutigen (15.7.07) Herrnhuter Losung fasst das so
zusammen: „Nein, bleib nicht stehn! Es ist eine göttliche Gnade, gut
zu beginnen. Es ist eine größere Gnade, auf dem guten Weg zu
bleiben. Aber die Gnade der Gnaden ist es, sich nicht zu beugen und,
ob auch zerbrochen und erschöpft, vorwärts zu gehen bis zum Ziel."
So will ich mich den Segenswünschen für Ihr Gotteshaus und allen,
die darin ein- und ausgehen, anschließen. Die Gnade unseres Herrn
Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des
Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Herr Ludwig, Ehemann der Nichte Gottfried Kienners:
In der Familie herrschte ein Geist, den er nicht kannte, aber der
mich faszinierte und mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Als ich
dem Vater Gottfried Kienner (als angeheirateter Neffe) vorgestellt
wurde, fragte er mich, ob ich den lieben Heiland lieb habe? -Ich
dachte: wo bin ich hier hingeraten? Das Wort blieb und hat im Laufe
der Jahre durchschlagend bei mir gewirkt, und ich habe gemerkt: Das
Leben mit Jesus ist das Entscheidenste, was es überhaupt gibt.
Lilie Häusler, langjährige Katechetin:
Ich möchte dasselbe sagen, was ich in der Christenlehre gesagt habe:
Es geht um Jesus, er ist Weg, Wahrheit und Leben. Ich habe das so in
meinem Leben erfahren und es gibt nichts anderes, was ich
weitersagen möchte, als dass das jeder zu seiner eigenen Erfahrung
macht.
Eine persönliche Betrachtung:
Ich kann mich noch genau an jenen Tag erinnern, als ich sie kennen
lernte, diese kleine Kapelle, idyllisch von alten Bäumen umgeben.
Damals fand in ihr ein Konzert mit einem christlichen Liedermacher
statt. Ich fühlte mich sofort geborgen und schaute immer wieder
fasziniert auf das runde Glasfenster im Altarraum. Ganz genau sah
ich es mir an: den lilafarbenen inneren Kreis mit dem gelben Kelch
darin, von Hostie und Dornenkrone überlagert, in der Mitte das
kleine Kreuz. Außen symbolische Strahlen, erst in Grüntönen, dann in
einem leuchtenden Goldgelb. Wer es wohl entworfen und gestaltet
haben mag? Später, während mancher Gottesdienste, glänzte es hell in
der Sonne. Die kleine Kapelle erinnert mich aber auch an bange
Stunden, als ich vor Entscheidungen oder medizinischen Eingriffen
dort saß und erleichtert aufatmete, als sich das Sonnenlicht seine
Bahn durch die Zweige der großen, alten Bäume brach und es mir so
vorkam, als hätte mich eine große warme Hand tröstend und
aufmunternd berührt. Und so ist mir die kleine Kapelle in Zug,
genauso wie ihre große Schwester, die Jakobikirche, inzwischen zu
einem Stück Heimat geworden.
Rosemarie Keil (14.7.2007) |